Geschichte

Fragmente aus der Geschichte des Ortes 

Selten hat ein Ort im Rotmeintal eine so reizvolle und anmutige Lage wie das Dorf Leuchau. Es ist eingebettet in eine weite Talmulde zu Füßen der breiten Landscholle aus Buntsandstein, die als Teil der Kulmbacher Verwerfung von Nordwesten nach Südosten zieht.

Der Blick des Beschauers wird eingefangen von dem sich aus diesem Bergmassiv beherrschend vorschiebenden Steinernen Vogelherd ( 505m üdM ), dessen dunkel bewaldeter Kegel den mächtigen, fas kahlen Buckel der Mühlleite überragt.

An ihren sonnigen Hängen erstreckt sich die neue, freundliche Siedlung, während der geschichtlich frühe Ortskern, das Obere Dorf, sich auf einer Sandsteinkuppe drängt, und das untere Dorf den aus dem Fuchsgrund kommenden Erlenbach ein Stück des Weges begleitet.

Im Osten steigt der schmalde Grat des Herrgottsberges mit seinen steil aufgerichteten Muschelkalkplatten zum Rauhen Berg( 404m üdM )auf, über den sich einst, am Südhang beim Steinhaus emporklimmend, die älteste Straße von Kulmbach nach Bayreuth zog.

Im Südwesten liegt schützend die aus hellem Sandstein und rotem Ton geschichtete, schräg gelagerte Tafel der Großen Windwarte ( 377m üdM ), die bei der Namensgebung des Weilers Rothenhügl Pate stand.

 

 

 

Später Auftritt des Dorfes in der Geschichte

 

Es gilt auf Grund der Statistik über prähistorsche Funde heute als gesichert, dass sowohl die Niederungen des Roten Mains mit seinem Hügelland, als auch der Buntsandsteinzug der Tennacher Höhe wegen der weit verbreiteten, ungastlichen Sumpfgebiete einerseits und der verwilderten starken Bewaldung andererseits von der vorgeschichtlichen Besiedlung gemieden wurden. Allenfalls gelegentliche trocken Offenstellen des Albrandes und seines nächsten Vorlandes haben Menschen zu längerem Verweilen bewegen können.

Erst durch die im siebten Jahrhundert einsetzende ostfränkische Kolonisation, die vom Westen her über die Königshöfe Forchheim und Hallstadt und das „Geberch“ im frühen neunten Jahrhundert die Zweimein-Linie erreichte und auf der Keuperstufe am Zusammenfluss die Ur-Pfarrei Melkendorf ( älter als Kulmbach ) entstehen ließ, begann langsam eine planmäßige Rodung der großen Waldgebiete jenseits des Roten Mains.

Es besteht Grund zur Annahme, dass man aus dieser Zeit unter fränkischer Duldung und Leitung auch kleine Gruppen von Slawen in den Wäldern ansiedelte und dass besonders nach den Slawenkriegen der Ottonenzeit Kriegsgefangen und Deportierte als billige Arbeitskräfte in der ersten Ausbauperiode der Rodung eingesetzt wurden.

Da man diesen sich bald in kleine Rinnsale auflösenden Volksgruppen großzügiger Weise die slawische Namensgebung ihrer Neusiedlungen überließ, ist die Deutung des Ortsnamens Leuchau durch den slawischen Personennamen Léchovdurch aus nicht glaubwürdig.

Im Jahre 960 erhalten die Schweinfurter Grafen, ein reiches und mächtiges Adelsgeschlecht, den „Radenzgau“ von westlich der Regnitz bis in den Frankenwald als königliches Lehen, werden jedoch schon 1057 abgelöst, als Gaugraf Otto ohne männliche Nachkommen stirbt und seine Schwester Giesela unser Kulmbach Land erbt. Ihr Gemahl ist der bayerische Graf Arnold von Dießen-Andechs, dessen Nachkommen seit 1180 den Titel „Herzöge von Meranien“ führen.

In dieser Zeit hat die eifrige Rodungs- und Besiedlungsarbeit der Schweinfurter und Andechs - Meranier das große Keuperwaldgebiet östlich des Roten Mains bis auf den Steilhang der Tennacher Höhe und die Bergrippe des Rauhen Berges und des Hochen Berges zwischen Lindau und Waldau weitgehend in fruchtbare Feldfluren umgewandelt.

Von den thüringischen Grafen von Orlamünde, die nch dem Erlöschen des meransichen hauses 1248 in das mütterliche Erbe um Kulmbach eintreten, lässt sich kaum eine nennenswerte Siedlungstätigkeit erwarten noch feststellen. Ihr Interesse an dem neuen fränkischen Besitz erschöpft sich in frommen Schenkungen.

In diesem Zusammenhang taucht das Dorf Leuchau zum ersten Male urkundlich auf, indem berichtet wird, dass 1332 Otto Graf von Orlamünde, vermutlich um seindes Seelenheiles willen, dem Kloster Langheim das Gut des Wagners inLeuchauwe unter Vorbehalt des Forstrechts und des Halsgerichts zueignet.

Das „Landbuch der Herrschaft Plassenberg von 1398“ vermittelt einen Eindruck von der damaligen Größe und den weitverzweigten feudalistischen Besitzverhältnissen der Weilersiedlung Lewchaw:
2 Zinshöfe ( mit je 30 - 50 Tagwerk), 3 Zinsselden ( mit wenigen Grundstücken ) und eine Mühle sind im Besitz der hochenzollernschen Burggrafen von Nürnberg, die seit dem Jahre 1340 die Herrschaft Plassenberg - Kulmbach inne haben, ein Gütlein ( mit wenig Tagwerk Ackerflur ) gehört dem Kloster Langheim, während das Kloster Himmelkron 2 Höfe mit „Sichelfutter“ (Abgabe für die Rodungserlaubnis im herrschaftlichen Bannwald ) sein eigen nennt. 

Diese knappe Dutzend Wohnstätten hat sich auch nach dem „Landbuch“ der Herrschaft Plassenberg von 1531, also über 130 Jahre später, um keinen einzigen Hof vermehrt.

Es dürfte aber von Interesse sein, dass sich hier eine Eintragung findet, die von einem „Weingarten an dem Brand“ berichtet und damit der Reihe der schon hinlänglich bekannten ehemaligen Anbaugegenden dieses edlen Gewächses um Kulmbach, wie der Weinleite zwischen Feuln und Kauerndorf, dem Burghaiger Hang und dem Weinberg zwischen Forstlahm und Wickenreuth, eine weitere hinzufügt.

Allerdings findet sich in einer anderen Urkunde über die Dörfer des Klosters Langheim der Hinweis, dass der Weingarten zu Leugau schon wieder 1601 „itzo zu Feld gemacht“ wurde. - Hinweg abscheulicher Magenkrätzer!

Der Dreißigjährige Krieg ( 1618 bis 1648 ), der als Glaubenskrieg beginnt und dessen Verlauf immer mehr von der Machtpolitik und der Eigennutz bestimmt wird, bringt Schrecken, Not und Elend ins Land.

Am 21. September 1632 lagert Wallenstein, der Herzog von Friedland, mit einem Teil seiner Truppen vor den Mauern Kulmbachs. Als er den Festungskommandanten Johann Chritoph von Muffel von Ermreuth auffordern lässt;“sich zu ergeben, oder er werde das Kind im Mutterleib nicht schonen“, antwortet Muffel:“ Nur mit kraut und Loth mit Pulver und Blei“.

Nachdem die Stadt erbittert Widerstand geleistet hat, zieht der Friedländer unverrichteter Dinge ab und lässt dafür die umliegenden Dörfer plündern und in Brand stecken.

Der Pfarrherr von Melkendorf, Johannes Braun, erzählt:

“ Ich will die unerhörte Wildheit und Grausamkeit der Feinde schildern. Der Feind plünderte das von den Melkendorfern verlassen Melkendorf ganz schändlich. Sie erbrachen im Pfarrhaus alle Türen, zerschlugen Fenster, Öfen, Truhen und Schränke. Da war kein Winkel, in dem sie nicht die Spuren ihrer Grausamkeit hinterlassen hätten..... Selbst heilige Orte waren vor den höllischen Aasgeiern nicht sicher. In der Kirche schlugen sie die Fenster ein und was im finstersten Winkel versteckt gewesen war, nahmen sie mit oder vernichteten es so sehr, dass sie nicht einmal die Gräber verschonten, um ihre unersättliche Raubgier zu befriedigen. Der Altar wurde seiner Bekleidung beraubt, der wohlverschlossene Opferstock mit den Opferpfennigen erbrochen, die Schlösser verdorben, die zum heiligen Gebrauch bestimmten Kelche gestohlen und alles verunreinigt.... Dergestalt sind wir zweimal durch feindlichen Einfall in die äusserste Not geraten, zweimal haben wir Gottes Allmacht und Hilfe verspürt, der die Seinden wohl schwer züchtigt, aber nicht gar austilget. Auch mitten in den Fluten des göttlichen Zornes sind die Spuren seiner Barmherzigkeit offenbar.“

Auch unser Ort scheint nicht von gewalttätigen Soldnerhaufen verschont geblieben zu sein. In einer „Amtsbeschreibung Kulmbach“ aus dem Jahre 1641, also gegen Ende des Krieges, wird Leuchaw folgendermaßen beschrieben:
9 markgräfliche Zinshöfe, nur z.T. bebaut ( 4 davon öd ), 3 Frongüter, 11 Selden ( 3 öd ), 7 Trupfhäuslein - mit soviel Besitz als das Wasser vom Dach tropft- ( 5 wüst ) 1 Hof, 1 Mühle.

Im 17. Jahrhundert erschien eine Chronik „Theatrum Europaeum“, die ebenfalls über die Schrecken des 30-jährigen Krieges berichtet:

„....Städte, Schlösser, Flecken, Dörfer und Häuser wurden in Asche gelegt, die  Menschen von Haus und Hof, die Eltern von den Kindern getrennt und ins Elend gejagt. Die armen Leute gemarter, gerädert, gerschraubt, viele Tausend niedergehauen, gemetzelt, erstoche, ertränkt, verbrannt und sonst auf grausame Weise um Leib und Leben gebracht. Viele hundert Städte, ja viel tausend Flecken und Dörfer wurden so verwüstet, dass nicht ein Hund, geschweige denn ein Mensch sich darin hat aufhalten können. ... „

 

Der Ort hat sich bis ins 20.Jahrhundert von diesem entscheidenden Rückschlag kaum erholen können. Noch 1838 wurden in Leichau lediglich 22 Wohngebäude gezählt.

 

Quellen:

Erich Freiherr zu Guttenberg:“ Historsches Orstnamenbuch von Bayern“
Oberfranken - Stadt- und Landkreis Kulmbach,
München 1952“ Heimat und Volkskunde“
Beilage zur Bayerischen Rundschau Nr. 23 vom 21 November 1932.